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Masterarbeit/Versuche/AblaufProtokoll.md
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2026-08-26 16:37:24 +02:00

36 KiB
Raw Blame History

Ablaufprotokoll der Versuchsdurchführung

Zeitraum: 25.–26. August 2026 Ablage der Läufe: Versuche/Versuch_01/Tag 1/ – alle 24 Läufe entstanden am 25. August Untersuchungsgegenstand: c-entron ERP-Suite, eingefrorener Snapshot 79c1142 Zweck dieses Dokuments: Grundlage für den Ergebnisteil der Arbeit (Kapitel 5 und 6).

Festgehalten wird, wie Prompt und Versuchsaufbau schrittweise entstanden sind, welche Läufe durchgeführt wurden und welche Erkenntnisse sich daraus ergeben haben. Der methodisch wesentliche Punkt: Der Versuchsaufbau ist nicht vorab fertig gewesen, sondern an den Läufen gewachsen. Jede Änderung geht auf eine konkrete Beobachtung zurück. Diese Kopplung ist hier dokumentiert, damit im Ergebnisteil nachvollziehbar bleibt, welche Messung unter welchen Bedingungen entstand.


1. Ausgangslage

Zu Beginn lagen vor:

  • ein Initial-Prompt (Versuche/Versuch_01/01_Prompt.md) mit der Analyseanweisung nach ISO/IEC/IEEE 29148, abgestimmt auf die RRE-Methodenkette aus Kapitel 4
  • ein Skill run-experiment (Version 1.0.0), der den Prompt als Headless-Lauf ausführt und ein Messprotokoll schreibt
  • die Codebasis als eigenständiges Git-Repository mit aktivem GitHub-Remote

Nicht vorhanden waren: eine belastbare Isolationsstrategie, eine Definition der zu erhebenden Messgrößen über Tokens und Dauer hinaus, und jede Vorstellung davon, wie stark Läufe unter gleichen Bedingungen streuen.


2. Chronologie in sechs Phasen

Phase 1 – Erster Lauf und die Entdeckung der Werkzeugkonfiguration (12:29–13:00)

Der erste Lauf offenbarte sofort ein Grundproblem: Das Codebasis-Verzeichnis enthielt genau die Dinge, die die Versuchsbedingung „keine Agentendateien, keine MCP-Server" ausschließt – eine CLAUDE.md mit 201 Zeilen Projektkontext, AGENTS.md, drei projektspezifische Subagenten, 34 Skill-Definitionen, sechs Slash-Commands, elf Serena-Memories und einen aktiven MCP-Server.

Diese Dateien wurden vor dem Lauf gelöscht und danach per git restore zurückgesetzt.

Ergebnis: 96 Anforderungen, 13,1 Mio. Tokens, 36 Permission-Denials (32 × Bash, 4 × PowerShell). Der Lauf war unter --permission-mode acceptEdits gestartet – dieser Modus erlaubt Dateibearbeitungen, aber keine Shell-Ausführung. Der Agent wich auf Read, Grep und Glob aus; Verzeichnisinventuren und Dateizählungen standen ihm nicht zur Verfügung. Von rund 85 Business-Logic-Modulen blieben 55 bis 60 unanalysiert.

Auslöser für die erste große Skill-Änderung.

Phase 2 – Werkzeugfreigabe, Isolation und der eingefrorene Snapshot (13:49–15:00)

Zwei Entscheidungen fielen zusammen:

Shell-Zugriff wird Standard. --allowedTools "Bash" "PowerShell" mit einer Denylist von 33 Einträgen für schreibende und bauende Kommandos. Die Read-only-Eigenschaft der Codebasis wird weiterhin über den Vorher/Nachher-Vergleich per git status nachgewiesen; die Denylist senkt das Risiko, ersetzt die Verifikation aber nicht.

Isolation über --safe-mode – und die Erkenntnis, dass das nicht reicht. Ein Kontrolltest belegte: --safe-mode unterdrückt zuverlässig das Vorladen von CLAUDE.md als Systemanweisung – ohne das Flag zitiert der Agent deren Inhalt, mit dem Flag antwortet er „NICHTS VORGELADEN". Es verhindert jedoch nicht, dass der Agent diese Dateien mit Shell-Zugriff selbst liest. Im Smoke-Test tat er genau das.

Konsequenz: Die KI-Konfigurationen wurden dauerhaft aus der Codebasis entfernt (Commit 79c1142, 92 Dateien), das GitHub-Remote entkoppelt und der Stand als Versuchssnapshot eingefroren. Damit ist die Bedingung „keine Agentendateien" eine Eigenschaft des Untersuchungs- gegenstands und muss nicht pro Lauf hergestellt werden.

Lauf 2 brach nach 24 Minuten mit einem API-Transportfehler ab („The response stopped arriving"), nachdem vier von sieben Artefakten geschrieben waren. Kein Konfigurationsproblem – permission_denials war 0.

Lauf 3 lief vollständig durch: 106 Anforderungen, 11,5 Mio. Tokens, 0 Denials, 23:40 statt 31:31. Schneller, sparsamer und ergiebiger als Lauf 1 – die Werkzeugfreigabe schien sich in jeder Dimension auszuzahlen.

Phase 3 – Der Varianzbefund (15:05–19:31)

Lauf 4 unter identischer Konfiguration lieferte 55 Anforderungen – knapp die Hälfte von Lauf 3 – bei höheren Kosten. Der Agent hatte diesmal keinen einzigen Subagenten gestartet und stattdessen 147 eigene Turns absolviert.

Das war der Wendepunkt der Reihe. Die naheliegende Erklärung – die Subagentenzahl bestimmt den Ertrag – hielt der nächsten Messung nicht stand: Lauf 5 startete 14 Subagenten und lieferte 325 Anforderungen bei 52,7 Mio. Tokens; Lauf 6 startete ebenfalls 7 wie Lauf 3, lieferte aber 189 statt 106 Anforderungen bei dreifachem Verbrauch.

Nicht die Anzahl der Subagenten erklärt die Streuung, sondern die Freiheit, die Analyse überhaupt selbst zu zerlegen.

Um das zu prüfen, wurde der Modus solo eingeführt: Task, Agent und Workflow gesperrt, sodass keine Delegation möglich ist. Ein Verifikationstest bestätigte die Sperre (spawned: 0, Antwort „KEINE SUBAGENTEN MOEGLICH") und deckte dabei auf, dass der Agent nach der Sperre von Task/Agent auf Workflow auswich – dieses Werkzeug orchestriert ebenfalls Subagenten und musste ergänzt werden.

Fünf Solo-Läufe (42, 82, 60, 73, 67 Anforderungen) gegen neun Builtin-Läufe ergaben:

V1 (solo) V1b (builtin)
Anforderungen 42 – 82 (Faktor 2,0) 55 – 325 (Faktor 5,9)
Tokens 4,4 – 12,6 Mio. (Faktor 2,9) 11,5 – 52,7 Mio. (Faktor 4,6)
Median Tokens 5,1 Mio. 30,1 Mio.

Zentraler Befund der Reihe. Die selbstgewählte Zerlegung in Subagenten ist die dominierende Störgröße. Wird sie unterbunden, halbiert sich die Streuung mehr als, und der Verbrauch sinkt um Faktor 6.

Phase 4 – Modellvergleich und die Grenzen der Steuerbarkeit (19:59–23:10)

Um zu prüfen, ob die Streuung modellabhängig ist, wurde dieselbe Bedingung mit zwei weiteren Modellen wiederholt.

Opus 5, solo, fünf Läufe: 71 – 182 Anforderungen (Median 114), 13,6 – 24,9 Mio. Tokens (Median 22,8). Gegenüber Sonnet: 1,7-mal mehr Anforderungen bei 4,5-fachem Verbrauch, also rund das 2,7-fache an Tokens je Anforderung. Die Streuung blieb im selben Rahmen – der Modellwechsel verschiebt das Niveau, nicht die Stabilität.

Fable 5, solo, Effort max, zwei Läufe: 207 und 148 Anforderungen bei 24,2 und 31,1 Mio. Tokens – der höchste Solo-Verbrauch der Reihe, vom nominell sparsamsten Modell. Die Thinking-Tokens (35.220 und 39.609) übertreffen jeden der 21 Vorläufe deutlich; der bisherige Höchstwert lag bei 24.179. Das spricht für den Effort als Treiber, ist aber nicht beweisbar, weil Modell und Effort gleichzeitig gewechselt wurden.

Fable 5, builtin – ein Fehlschlag mit Erkenntniswert. --model claude-fable-5 steuerte nur den Hauptagenten. Die 13 Subagenten liefen auf claude-opus-5[1m], dem Standardmodell aus den Sitzungseinstellungen. Auf sie entfielen 136,7 von 150,3 Mio. Tokens – 91 %. Eine Gegenprüfung über alle 24 Läufe grenzte den Fall eindeutig ein: Sonnet und Opus werden an Subagenten durchgereicht, Fable nicht.

Konsequenz: Bei Modus builtin ist das Modell nicht allein durch das Flag festgelegt. Der Abgleich der tatsächlich eingesetzten Modelle wurde zur Pflichtprüfung.

Phase 5 – Nachbereitung und Ausrichtung auf die Arbeit (26.08.)

Nach Abschluss der Läufe folgte die Konsolidierung. Sie ist kein bloßes Aufräumen: Mehrere Schritte haben Messfehler aufgedeckt oder die Belastbarkeit der Ergebnisse erst hergestellt.

Aufwandsgröße von Kosten auf Tokenverbrauch umgestellt (Skill 3.5.0). USD-Beträge hängen an Preisliste und Modellwahl und veralten; Token sind die unmittelbare Verbrauchsgröße. Bei der Umstellung fiel auf, dass sich die berichteten Streuungsfaktoren ändern: In Dollar lag V1 gegen V1b bei Faktor 2,1 zu 5,6, in Token bei 2,9 zu 4,6. Cache-Read-Token werden günstiger abgerechnet als Output-Token – eine reine Tokensumme gewichtet sie gleich, der Preis nicht. Die inhaltliche Aussage bleibt, der Abstand ist geringer als die Dollarwerte nahelegten.

Verschachtelte Subagenten verifiziert (Skill 3.6.0). Bis dahin war unbelegt, ob Subagenten auf Tiefe 2 in die Tokensumme einfließen. Ein Kontrolltest mit erzwungener Kaskade, bei dem ausschließlich der Enkel-Agent arbeitete, ergab 49.103 Token im Hauptagenten gegenüber 1.689.288 in modelUsage – die Differenz stammt nachweislich von der tieferen Ebene. Nebenbefund: Subagenten-Transkripte werden nicht separat persistiert, ihre Prompts sind daher nicht rekonstruierbar, ihre Tokens dagegen vollständig erfasst.

Untersuchungsgegenstand im Arbeitsrepository gesichert. Die Codebasis war nur als Gitlink auf 79c1142 getrackt – ohne .gitmodules und ohne erreichbares Remote, nachdem das GitHub-Remote zu Versuchsbeginn entkoppelt worden war. Ein Klon des Arbeitsrepositories hätte ein leeres Verzeichnis erhalten; keiner der 3.287 Anforderungsbelege wäre überprüfbar gewesen. Die Historie wurde aus dem Arbeitsbaum ausgelagert und der Dateiinhalt als reguläre Dateien aufgenommen: 24.557 Dateien, rund 333 MB. Prompts, Protokolle, Ergebnisartefakte und der analysierte Quellcode sind damit gemeinsam versioniert.

Maschinelle Auswertung der Anforderungen (Skill 3.9.0). Die Protokolle maßen bis dahin nur den Aufwand, nicht den Ertrag. Ein Auswertungsskript parst die 3.287 Anforderungsblöcke und erhebt Verteilung, Typen, Belegqualität, Status und – methodisch am wertvollsten – die Regelkonformität gegen die Vorgaben des Prompts selbst. Erste Anwendung deckte sofort Verstöße gegen die risikobasierte Priorisierung auf, die von Hand nicht auffindbar gewesen wären.

Ordnerstruktur nach Bedingungen (Skill 3.10.0, später 4.1.0). Modell, Agentenmodus und Effort wurden von Namensbestandteilen zu Ordnerebenen; darüber kam die Ebene <Versuchstag>. Die Zellenbelegung ist damit unmittelbar abzählbar – und die Struktur macht sichtbar, dass von den möglichen Kombinationen nur fünf belegt sind.

Ausrichtung auf Kapitel 4 (Skill 4.0.0). Prompt und Skill waren organisch gewachsen und stellenweise nicht mehr deckungsgleich mit dem Versuchsdesign der Arbeit. Der Prompt enthielt Aussagen zur Werkzeugkonfiguration, die ihn an ein bestimmtes Werkzeug banden; der Skill verankerte weder den Evaluationsrahmen noch die geforderten Reproduzierbarkeitsangaben. Beides wurde getrennt: Der Prompt trägt seither ausschließlich die Analyseanweisung, der Skill den Prozess. Werkzeugkontext und Ausgabeverzeichnis werden zur Laufzeit angehängt.

Dabei fiel die Zuordnungsfrage an: Die Arbeit kannte nur V1 „Prompt-only, keine Agentendateien". Werkzeugeigene Subagenten sind keine Agentendateien und wären nach Wortlaut in V1 erlaubt – ihr Einsatz verändert die Ergebnisse aber erheblich. Entschieden wurde V1 = solo, V1b = builtin; Kapitel 4 der Arbeit wurde um V1b und um einen Absatz zum vorgezogenen Modellvergleich ergänzt.

Prompt-Version 02 (Skill 4.2.0). Auf Basis der Auswertung entstand die erste echte Iteration – ausführlich in Abschnitt 7.

Phase 6 – Prompt-Version 02, zehn Läufe und ein geänderter Untersuchungsgegenstand (26.08., ab 08:43)

Prompt-Version 02 wurde erstmals gemessen: ein serieller Lauf, danach zwei Parallelblöcke zu vier und fünf Läufen. Zwischen den Blöcken änderte sich der Untersuchungsgegenstand, weshalb die zehn Läufe auf Iteration 2 (fünf Läufe, ohne DB-Schema) und Iteration 3 (fünf Läufe, mit verfügbarem DB-Schema) aufgeteilt sind. Alle zehn liefen unter claude-sonnet-5 / solo / high.

Die Menge wird gebunden, die Struktur nicht. Iteration 2 ergab 123 bis 185 Anforderungen (Faktor 1,50) gegenüber 42 bis 82 unter Prompt-Version 01 (Faktor 2,0). Das Modulinventar aus Schritt 0 bindet die Anzahl also messbar. Die Ebenenverteilung streut dagegen über beide Iterationen extrem – von 92,7 % auf Stakeholder- bis 89,4 % auf Softwareebene:

Lauf It. Anf. StRS/SyRS/SwRS Primärbeleg Tracelinks Risiko offen Tokens
d6f9 (seriell) 2 170 20/120/30 85,3 % 100 % 1 von 51 35,7 Mio.
3983 2 185 37/28/120 34,6 % 100 % 18 von 49 17,3 Mio.
4840 2 123 114/2/7 56,1 % 56,9 % 1 von 17 53,4 Mio.
f631 2 156 40/56/60 98,1 % 91,7 % 0 18,2 Mio.
c69e 2 160 21/15/124 73,8 % 100 % 2 von 42 13,0 Mio.
0848 3 211 134/39/38 43,6 % 49,8 % 7 von 46 11,4 Mio.
1b24 3 215 34/101/80 42,8 % 100 % 8 von 48 49,7 Mio.
2316 3 175 20/36/119 78,3 % 100 % 0 48,3 Mio.
3ef5 3 237 25/28/184 38,8 % 100 % 9 von 51 68,9 Mio.
b652 3 151 7/9/135 96,0 % 100 % 0 42,9 Mio.

Der Prompt verlangt in Schritt 0b je Modul mindestens eine Anforderung, sagt aber nicht, auf welcher Ebene. Genau diese Lücke erzeugt die verbliebene Streuung. Auch der Inventarbegriff ist je Lauf ein anderer: 120 fachliche Module, 133 nach fachlich und technisch getrennt, oder eine Gliederung nach Verzeichnisstruktur des WPF-Clients. Für Prompt-Version 03 ist das der konkreteste Ansatzpunkt.

Befund 6.1 bestätigt sich – in verschärfter Form. Über alle zehn Läufe korrelieren Anforderungszahl und Primärbelegquote negativ (Pearson −0,63, Spearman −0,70). Die Läufe mit der besten Belegqualität liefern die wenigsten Anforderungen (f631 98,1 % bei 156, b652 96,0 % bei 151), die mengenstärksten die schlechteste (3ef5 38,8 % bei 237, 3983 34,6 % bei 185). Die Anforderungszahl ist damit nicht nur kein Qualitätsmaß – als Maß genommen zeigt sie ins Gegenteil.

Der Untersuchungsgegenstand änderte sich mitten im Betrieb (10:28:08). SSMS_DB_SCHEMA.sql kam in das Arbeitsverzeichnis: 3.266.626 B, 76.793 Zeilen, 1.558 Tabellen, 182 Views, 63 Prozeduren, 30 Funktionen, 134 Fremdschlüssel. Der Prompt fordert Datenbankschemata in Schritt 2 ausdrücklich als Quelle; Läufe mit und ohne die Datei sind nicht poolbar. Die Vorher/Nachher- Prüfung erfasste die Änderung selbsttätig – _meta/before.txt der neuen Läufe ist 46 B statt 2 B. Der Snapshot wurde als eigener Commit f349d189 festgeschrieben.

Verfügbarkeit ist nicht Nutzung. Von den fünf Läufen der Iteration 3 haben nur drei das Schema geöffnet (0848, 1b24, 2316); 3ef5 und b652 haben es in der Verzeichnisauflistung gesehen und ignoriert. Ob das Schema genutzt wird, ist damit eine abhängige Variable und wird seither je Lauf erhoben – über Werkzeugaufrufe, deren Eingabe den Dateinamen nennt, nicht über Texttreffer im Transkript.

Ein Verbrauchseffekt ist nicht belegt: 0848 nutzte das Schema und war mit 11,4 Mio. Tokens der sparsamste Lauf beider Iterationen, 2316 nutzte es ebenfalls und verbrauchte 48,3 Mio. 3ef5 nutzte es nicht und war mit 68,9 Mio. der teuerste. Der Median der Anforderungszahl steigt von 160 (Iteration 2) auf 211 (Iteration 3), aber die Spannen überlappen deutlich (123–185 gegen 151–237), und innerhalb der Iteration 3 trennt die Nutzung die Läufe nicht. Bei n = 5 je Gruppe ist das ein Hinweis, keine Wirkung.

Ein Lauf lag auf der Grenze und wurde am Transkript entschieden. 094249_v4.2.1-4840 startete um 09:43 ohne die Datei und lief noch, als sie erschien. Sein Transkript enthält null Treffer für SSMS_DB_SCHEMA, CentronVOED2 und .sql – er gehört zweifelsfrei zu Iteration 2. Dabei fiel eine Grenze der Read-only-Verifikation auf: Sein before.txt und sein after.txt sind beide leer, aber aus verschiedenen Gründen (vorher existierte die Datei nicht, nachher war sie committet). Zwei gleiche Messwerte bei ungleichen Zuständen – für künftige Läufe wäre der Snapshot zusätzlich über einen Inhaltshash zu führen.

Drei Defekte am Messinstrument aufgedeckt und behoben. Keiner ließ einen Lauf fehlschlagen, alle drei hätten Protokollangaben verfälscht:

  • Root-Prüfung ohne Pfadfilter (Skill 4.2.1). Seit die Codebasis als Dateien im Arbeitsrepo liegt statt als Gitlink, lieferte git -C <root> status --porcelain den Status des gesamten Arbeitsrepos – rund 55 KB, praktisch nur Versuchsdateien.
  • Ebenenbestimmung nach Dateiname (Skill 4.3.0). Das Auswertungsskript leitete die Ebene einer Anforderung aus der Datei ab, in der ihr Block stand. c69e legte 12 StRS- und 5 SyRS-Blöcke in SwRS.md ab; die Verteilungstabelle meldete 9/10/141 statt der tatsächlichen 21/15/124. Der Agent hatte korrekt gezählt, das Skript widersprach ihm zu Unrecht. Alle 24 Läufe der Iteration 1 wurden gegengeprüft: keine Fremdablage, ihre Protokolle bleiben gültig.
  • Schema-Nutzung über Texttreffer. Die erste Fassung der Erhebung zählte Vorkommen im Transkript und stufte b652 als Nutzer ein – der Treffer stammte aus der Verzeichnisauflistung. Gezählt werden seither nur Werkzeugaufrufe mit dem Dateinamen in der Eingabe.

Die Fremdablage aus dem zweiten Punkt ist kein Skriptartefakt, sondern ein Befund zur Set-Qualität: Die Dreiteilung StRS / SyRS / SwRS ist dann nicht mehr an der Dateistruktur ablesbar.

Die Denylist erzeugt systematisch Streudateien. Drei der zehn Läufe (f631, b652, 3ef5) ließen Arbeitsdateien im Ergebnisordner zurück – bis zu sechs bei 3ef5. In allen Fällen hatte der Agent versucht, sie aufzuräumen (rm, Remove-Item), und wurde von der Denylist gestoppt; die Löschversuche machen den Großteil aller Permission-Denials dieser Läufe aus. Die Dateien bleiben bewusst liegen: Nachträgliches Löschen würde die Artefaktlage verändern. Der Befund gehört zur Werkzeugkonfiguration, nicht zum Modell – die Denylist sperrt Löschbefehle pauschal, auch im Laufverzeichnis, für das der Agent Schreibrecht hat.

Zwei Umbenennungen (Skill 4.4.0). Die Ordnerebene <Versuchstag> heißt jetzt <Iteration>: Der alte Name band sie an das Kalenderdatum, obwohl sie die Vergleichbarkeit abbildet – Iteration 2 und Iteration 3 entstanden am selben Tag. Weil „Iteration" mit der Fassung der Prompt-Datei kollidierte, heißt diese seither Prompt-Version. Die Prompt-Dateien selbst blieben unverändert: Ihre SHA-256 sind in 33 Protokollen dokumentiert.


3. Entwicklung des Prompts

Der Prompt blieb inhaltlich über alle 24 Läufe unverändert – der SHA-256 1B0DB06B…3C02FF ist in jedem Protokoll dokumentiert. Alle 24 Läufe sind damit Wiederholungsmessungen desselben Prompts, keine Prompt-Versionen im Sinne von Kapitel 4.

Erst nach Abschluss der Läufe wurde er überarbeitet (2026-08-26). Diese Überarbeitung war zunächst rein formal – sie machte den Prompt werkzeugneutral, ohne die Analyseanweisung zu ändern. Die inhaltliche Überarbeitung folgte als Prompt-Version 02 und ist in Abschnitt 7 dokumentiert.

Änderung Grund
Metadaten Werkzeugkonfiguration und Modell entfernt Beschreiben den Lauf, nicht die Analyse; gehören ins Messprotokoll
Satz „Es stehen weder spezialisierte Agenten noch MCP-Server zur Verfügung" entfernt Bindet den Prompt an eine Werkzeugkonfiguration; wird zur Laufzeit als Werkzeugkontext beigestellt
Feld Übernahmewürdigkeit ergänzt (übernehmen/Workaround/Sonderfall/veraltet) Der Evaluationsrahmen (Kap. 4.3) bewertet diese Dimension; bislang steckte sie halb im Feld Status und war nicht auswertbar
Pflichteigenschaft Redundanzfreiheit ergänzt Ergänzt das vorhandene Feld Konsolidierung um die ausdrückliche Abgrenzungsprüfung
Konsistenzcheck erweitert Prüft nun auch fehlende Übernahmewürdigkeit und nicht markierte Doubletten

Damit ist der Prompt werkzeug- und modellneutral und von jedem LLM verwendbar – eine Voraussetzung für den in Kapitel 4 geplanten LLM-Querschnitt.


4. Entwicklung des Versuchsaufbaus (Skill)

19 Versionen in zwei Tagen. Jede geht auf eine konkrete Beobachtung zurück:

Version Änderung Auslöser
1.0.0 Ausgangsfassung –
2.0.0 Shell-Zugriff + Denylist; Isolation über eingefrorenen Snapshot 36 Denials in Lauf 1; --safe-mode allein unzureichend
2.0.1 before.txt leerwertsicher schreiben Bei sauberem Root schrieb PowerShell die Datei nicht und ließ alten Inhalt stehen – der Vergleich meldete eine Abweichung, die es nicht gab
2.1.0 Modell wird vor jedem Lauf erfragt Das Modell wurde bis dahin ad hoc gewählt
2.1.1 Warnung zur Snapshot-Prüfung Ein verkürzter Regex sprach auf echte Produktdateien an (ClaudeCodeChatModelClient.cs)
3.0.0 Agentenmodus als Pflichtparameter (solo/builtin/custom) Subagenten-Einsatz schwankte zwischen 0 und 14 und war die dominierende Störgröße
3.1.0 Parallelfähigkeit; Steuerdateien nach _meta im Laufverzeichnis Geteilte Scratchpad-Dateien hätten sich zwischen parallelen Läufen überschrieben
3.2.0 Modell und Version im Verzeichnisnamen; Workflow mitgesperrt Im Verifikationstest wich der Agent auf Workflow aus
3.3.0 Subagenten-Prompts werden protokolliert Die selbstgewählte Zerlegung war nur als Zahl sichtbar, nicht inhaltlich
3.4.0 Effort als dritter Pflichtparameter Der Denkaufwand wurde nur aus der Sitzung geerbt und nirgends dokumentiert
3.5.0 Berichtete Aufwandsgröße ist der Tokenverbrauch statt USD USD-Beträge hängen an Preisliste und Modellwahl und veralten
3.6.0 Verschachtelte Subagenten verifiziert und dokumentiert Unbelegt, ob tiefere Ebenen in die Tokensumme einfließen – Kontrolltest belegte es
3.7.0 Effort im Verzeichnisnamen Erster max-Block; gleichnamige Verzeichnisse hätten verschiedene Bedingungen bezeichnet
3.8.0 Pflichtprüfung der tatsächlich eingesetzten Modelle Fable-Lauf: 91 % des Verbrauchs auf einem nicht angeforderten Modell
3.9.0 Pflichtabschnitt „Gefundene Anforderungen" Protokolle maßen nur Aufwand, nicht Ertrag
3.10.0 Bedingungen als Ordnerstruktur statt im Dateinamen Der Name wuchs mit jeder Variable und war kaum noch lesbar
4.0.0 Zweiteilung Prozess/Werkzeugadapter; V1 = solo, V1b = builtin; Evaluationsrahmen verankert Ausrichtung auf Kapitel 4 der Arbeit
4.1.0 Ebene <Versuchstag> über den Bedingungen Der Aufbau durchlief an Tag 1 siebzehn Versionen; die Tagesebene hält Blöcke auseinander, die unter unterschiedlichem Stand entstanden
4.2.0 Auswahlregel bei mehreren Prompt-Versionen; Protokollfeld „Prompt-Version" Mit 02_Prompt.md liegt erstmals mehr als eine Fassung vor; ohne Regel ließe sich der SHA-256 im Protokoll keiner Datei mehr zuordnen

Beobachtung für die Diskussion: Von den achtzehn Änderungen gehen zehn auf Messfehler oder Fehlannahmen zurück, die erst im Betrieb sichtbar wurden – nicht auf Planungslücken im klassischen Sinn. Betroffen waren durchweg Annahmen, die plausibel schienen und sich als falsch erwiesen: dass --safe-mode genügt, dass --model die Subagenten steuert, dass duration_ms die Laufzeit misst, dass gesperrte Werkzeuge Denials erzeugen, dass git status alle Schreibvorgänge erfasst. Ein Versuchsaufbau für agentische LLM-Werkzeuge lässt sich offenbar nicht vollständig vorab spezifizieren; er entsteht in der Auseinandersetzung mit dem Werkzeug.


5. Durchgeführte Läufe

24 Läufe, 745,2 Mio. Tokens, 3.287 erzeugte Anforderungen. Ein Lauf schlug fehl (Nr. 2, API-Transportfehler).

# Zeit Modell Modus Effort Subagenten Denials Turns Tokens Anforderungen
1 12:29 sonnet-5 builtin high 8 36 43 13.052.010 96
2 13:49 sonnet-5 builtin high 6 0 8 16.655.125 89 (Abbruch)
3 14:29 sonnet-5 builtin high 7 0 69 11.516.200 106
4 15:05 sonnet-5 builtin high 0 0 147 27.562.244 55
5 15:35 sonnet-5 builtin high 14 1 31 52.713.542 325
6 16:35 sonnet-5 builtin high 7 0 29 32.568.122 189
7 17:31 sonnet-5 solo high 0 0 68 4.357.855 42
8 17:31 sonnet-5 solo high 0 0 107 12.598.503 82
9 18:04 sonnet-5 solo high 0 0 72 5.659.692 60
10 18:04 sonnet-5 solo high 0 0 77 4.591.733 73
11 18:04 sonnet-5 solo high 0 0 67 5.050.595 67
12 18:29 sonnet-5 builtin high 19 (9 versch.) 2 94 55.167.397 246
13 18:29 sonnet-5 builtin high 8 1 84 42.204.257 238
14 18:29 sonnet-5 builtin high 20 (6) 0 23 40.787.325 113
15 18:29 sonnet-5 builtin high 21 (3) 0 15 44.713.674 145
16 18:29 sonnet-5 builtin high 18 (6) 0 33 65.101.243 239
17 19:59 opus-5 solo high 0 0 116 13.560.381 71
18 19:59 opus-5 solo high 0 1 195 22.759.401 119
19 19:59 opus-5 solo high 0 1 177 24.860.083 114
20 20:00 opus-5 solo high 0 0 145 24.280.282 182
21 20:00 opus-5 solo high 0 0 131 19.751.531 109
22 21:09 fable-5 solo max 0 1 152 24.225.555 207
23 21:09 fable-5 solo max 0 0 162 31.073.793 148
24 22:07 fable-5 builtin high 13 0 28 150.340.866 172

Die Läufe 7–8, 9–11, 12–16, 17–21 und 22–23 liefen jeweils parallel. Wanduhrzeiten dieser Läufe sind dadurch verzerrt und nicht für Laufzeitvergleiche verwendbar; Tokenverbrauch, Anforderungsanzahl und Denials bleiben unverzerrt.


6. Befunde

6.1 Die Anforderungsanzahl ist kein Qualitätsmaß

Vier Läufe unter identischer Bedingung (Nr. 3, 4, 5, 6) ergaben 106, 55, 325 und 189 Anforderungen – Faktor 5,9. Der Unterschied zwischen Lauf 1 (ohne Shell, 96) und Lauf 3 (mit Shell, 106) liegt vollständig innerhalb dieser Streuung. Jede Aussage der Form „Konfiguration X liefert mehr Anforderungen" ist ohne Wiederholungsläufe wertlos.

6.2 Die einzige robuste Wirkung der Werkzeugkonfiguration ist die Denial-Zahl

36 Denials ohne Shell-Zugriff, 0 mit. Das ist eine direkte Eigenschaft der Konfiguration und keine Zufallsgröße. Alle anderen Kennzahlen streuen zu stark.

6.3 Die selbstgewählte Zerlegung dominiert alles

solo gegen builtin: Streuung Faktor 2,0 gegen 5,9 bei den Anforderungen, Medianverbrauch 5,1 gegen 30,1 Mio. Tokens. Der Effekt gilt modellunabhängig – die Opus-Reihe zeigt dieselbe Stabilität im Solo-Modus.

Bemerkenswert ist die Gegenläufigkeit von Turns und Delegation: Lauf 15 delegierte am stärksten (21 Subagenten) und brauchte die wenigsten eigenen Turns (15); Lauf 4 delegierte gar nicht und brauchte 147. num_turns zählt nur den Hauptagenten und ist deshalb kein Aufwandsmaß.

6.4 Verschachtelte Delegation ist der Normalfall, nicht die Ausnahme

In vier von fünf Läufen des Blocks 12–16 erreichte die Delegation Tiefe 2, mit 3 bis 9 von Subagenten gestarteten Subagenten. Ein Kontrolltest belegte, dass deren Tokens vollständig in modelUsage einfließen – ihre Prompts dagegen liegen in nicht persistierten Transkripten und sind nicht rekonstruierbar. Die Prompt-Erfassung ist in diesen Läufen systematisch unvollständig, die Verbrauchsmessung nicht.

6.5 Modellstärke und Ertrag

Reihe Anforderungen (Median) Tokens (Median) Tokens je Anforderung
Sonnet 5, solo, high 67 5,1 Mio. ~76.000
Opus 5, solo, high 114 22,8 Mio. ~200.000
Fable 5, solo, max 178 27,6 Mio. ~155.000

Der Mehrertrag stärkerer Modelle wird mit überproportionalem Verbrauch erkauft. Die Anforderungsanzahl misst allerdings nur Menge; die Belegqualität ist davon unabhängig zu betrachten.

6.6 Regelkonformität – der Agent verfehlt teilweise die eigenen Vorgaben

Die maschinelle Auswertung prüft die Artefakte gegen die Vorgaben des Prompts. Zwei Beispiele:

  • Lauf 11 (Sonnet, solo): 5 von 31 risikorelevanten Anforderungen tragen weder einen PRIMÄR-Beleg noch die Kennzeichnung [HYPOTHESE], obwohl der Prompt das für Sicherheits-, Abrechnungs- und Berechtigungsthemen ausdrücklich verlangt. Primärbelegquote 62,7 %.
  • Lauf 24 (Fable/Opus, builtin): alle 58 risikorelevanten Anforderungen gedeckt, Primärbelegquote 100 %, Median 2 Belege je Anforderung.

Diese Prüfung wäre von Hand nicht leistbar und liefert eine inhaltliche Vergleichsgröße, die unabhängig vom Mengengerüst ist.

6.7 Werkzeugtechnische Befunde

Befund Beleg
--safe-mode unterdrückt das Vorladen von Projektanweisungen, nicht das Lesen Kontrolltest: ohne Flag zitiert der Agent CLAUDE.md, mit Flag „NICHTS VORGELADEN"; mit Shell liest er sie dennoch
Gesperrte Werkzeuge erzeugen keine Denials In allen 12 Solo-Läufen 0 Denials auf Task/Agent/Workflow – das Modell plant von vornherein ohne sie
--model steuert nur den Hauptagenten Lauf 24: 91 % des Verbrauchs auf nicht angefordertem Modell
Der Effort steht nicht im Ergebnisobjekt Nur über das Session-Transkript belegbar
duration_ms ist bei starker Nebenläufigkeit unbrauchbar Lauf 5: 09:37 gemeldet, 43:01 tatsächlich
Ein Lauf schrieb außerhalb von Codebasis und Laufverzeichnis Lauf 13 legte drei Arbeitsdateien in C:\DEV\ an; nur weil die Denylist das Aufräumen blockierte, wurde es sichtbar

Der letzte Punkt ist methodisch der unangenehmste: Die etablierte Prüfung „Root unverändert" deckt ausschließlich die Codebasis ab. Schreibvorgänge in andere Verzeichnisse bleiben unbemerkt.


7. Prompt-Version 02 (26.08.)

Bis hierher waren alle 24 Läufe Wiederholungsmessungen desselben Prompts – der SHA-256 blieb über zwei Tage identisch. Prompt-Version 02 ist damit die erste Prompt-Version im Sinne von Kapitel 4: Der Prompt wird auf Basis der Auswertung überarbeitet, jede Änderung ist an einen gemessenen Befund gekoppelt.

Was der Prompt bereits zuverlässig steuert

Diese Teile blieben unverändert, weil die Auswertung keine Schwäche zeigt:

Vorgabe Ergebnis über 3.287 Anforderungen
Prüfidee je Anforderung 100 % erfüllt
Tracelinks je Anforderung 100 % erfüllt
Belegklassifikation 78,6 % PRIMÄR, 11,5 % SEKUNDÄR, 9,8 % KONTEXT
Blockformat der Anforderungen über alle Läufe eingehalten

Was der Prompt nicht steuerte

Befund Zahl
Anforderungen je Lauf 42 – 325 (Faktor 5,9)
Modultabellen im Analysebericht 0 – 51 Zeilen
Läufe ohne jede Hypothese 2 (bei 71 bzw. 148 Anforderungen)
Hypothesenanteil je Lauf 0 % – 26,2 %
Konsolidierungskandidaten je Lauf 2,4 % – 35,2 %
Anforderungen mit genau einem Beleg 45,9 %
Anforderungen ohne jeden Beleg 1
ISO-25010-Merkmal als eigenes Feld 50 von 3.287 (1,5 %)
verschiedene Typ-Werte 301

Abgeleitete Änderungen

  1. Abdeckung wird gesteuert statt dem Modell überlassen. Der Satz „Priorisiere die Analysetiefe selbstständig" entfällt. An seine Stelle tritt eine dreistufige Vorstufe: Modulinventar vor der ersten Anforderung, dann Mindestabdeckung mit mindestens einer Anforderung je Modul, dann Vertiefung nach Risiko. Begründung im Prompt: Ein fehlendes Requirement führt bei einer Neuimplementierung zu Funktionsverlust, eine flach erfasste Funktion lässt sich nachschärfen.
  2. Hypothesenpflicht kalibriert. Wer keine Hypothese führt, begründet das ausdrücklich. Hypothesen.md muss deckungsgleich mit den Inline-Markierungen sein.
  3. Primärbeleg präzisiert. Bei Risikoanforderungen genügt ein Dateipfad nicht mehr; der Beleg benennt Datei, Klasse, Methode und die konkrete Prüfung.
  4. Belegpflicht verschärft. Ohne Beleg wird die Anforderung nicht geschrieben, der offene Punkt wird als Hypothese erfasst.
  5. Konsolidierungsbegriff an einem Beispiel kalibriert (Stammblätter gegenüber Assets), mit ausdrücklicher Abgrenzung gegen ebenenübergreifende Dubletten.
  6. Feld Qualitätsmerkmal für die ISO-25010-Zuordnung, die bislang keinen Ablageort hatte.
  7. Konsistenzcheck erweitert um eine Liste aller risikorelevanten Anforderungen mit ihrer Belegsituation und um den Abgleich der Hypothesenliste.

Bewusst nicht geändert

Die formale Streuung – 301 Typ-Werte, zwei ID-Schemata, acht Hypothesen-Formate – bleibt bestehen. Geschlossene Vokabulare und erzwungene Dateivorlagen hätten sie beseitigt, wurden aber verworfen, um die Formulierungsfreiheit nicht einzuschränken. Für die Auswertung ist diese Streuung als Rauschen zu behandeln; die maschinelle Analyse ist entsprechend heuristisch ausgelegt.

Nebenbefund: Der Prompt war nachträglich verändert worden

Bei der Einführung von 02_Prompt.md fiel auf, dass 01_Prompt.md im Zuge der werkzeugneutralen Überarbeitung geändert und committet worden war. Der in allen 24 Protokollen dokumentierte SHA-256 zeigte damit auf eine Fassung, die im Repository nicht mehr existierte.

Die As-Run-Fassung ließ sich bitgenau rekonstruieren: Aus dem je Lauf archivierten _meta/combined_prompt.md den Text vor dem angehängten Ausgabeverzeichnis-Block abschneiden, Zeilenenden normalisieren – das Ergebnis stimmt für drei unabhängig geprüfte Läufe exakt mit 1B0DB06B…3C02FF überein. 01_Prompt.md wurde darauf zurückgesetzt.

Methodische Lehre: Die Archivierung des tatsächlich gesendeten Prompts je Lauf, ursprünglich als Nebeneffekt der Parallelfähigkeit eingeführt (Skill 3.1.0), hat hier die Reproduzierbarkeit gerettet. Ohne sie wäre der Bezug zwischen Protokoll und Prompt unwiederbringlich verloren gewesen.

Offene Frage

Ob die Steuerung greift, ist eine empirische Frage. Erwartet wird eine höhere Anforderungszahl bei geringerer Tiefe je Modul und eine kleinere Streuung zwischen Läufen. Der Vergleich mit den fünf Solo-Läufen von Tag 1 (42 bis 82 Anforderungen, Faktor 2,0) wird das zeigen. Möglich ist auch, dass die Mindestabdeckung nur die Zahl flacher Anforderungen erhöht, ohne die Belegqualität zu halten – dann wäre die Änderung zurückzunehmen.


8. Grenzen und offene Punkte

Nicht geklärt: Ob der Verbrauchssprung im Fable-Block vom Modell oder vom Effort kommt – beide Variablen wechselten gleichzeitig. Ein Fable-Block auf high oder ein Sonnet-Block auf max würde die Frage entscheiden.

Nicht durchgeführt: Die Stakeholder-Validierung nach Kapitel 4.3. Alle Aussagen dieses Protokolls beruhen auf maschinell erhebbaren Größen. Ob die erzeugten Anforderungen sachlich korrekt sind, ist damit ausdrücklich nicht gezeigt.

Nicht abgedeckt: Versuch 2 (Agentendateien) und Versuch 3 (MCP-Server). Der Skill ist darauf vorbereitet (Modus custom), die Agentendefinitionen existieren aber noch nicht.

Offene Aufräumarbeiten: Drei Streudateien in C:\DEV\ aus Lauf 13; die Erweiterung der Nachlaufprüfung um Streudateien außerhalb des Laufverzeichnisses.

Nicht poolbar: Iteration 2 und Iteration 3 unterscheiden sich im Untersuchungsgegenstand (SSMS_DB_SCHEMA.sql, Commit f349d189). Ein Vergleich beider misst die Wirkung des Datenbankschemas – ein eigener Befund, keine Wiederholungsmessung. Mit n = 5 je Gruppe und überlappenden Spannen ist diese Wirkung derzeit nicht belegt.

Messtechnisch offen: Der Snapshot-Zustand wird über git status geführt. Wird eine Datei zwischen Laufbeginn und Auswertung committet, sind Vorher- und Nachher-Stand gleich, obwohl die Zustände es nicht sind (Fall 4840). Ein Inhaltshash des Arbeitsverzeichnisses je Lauf würde das schließen.

Offen für Prompt-Version 03: Der Prompt schreibt die Ebene der Mindestabdeckung nicht vor. Das ist die verbliebene Hauptquelle der Strukturstreuung – von 92,7 % StRS bis 89,4 % SwRS bei identischem Prompt.

Einschränkung der Zeitmessung: 18 der 24 Läufe liefen parallel. Für belastbare Laufzeitvergleiche wären serielle Wiederholungen nötig. Eine Teilauswertung zeigt bei den Solo-Läufen einen messbaren Kontentionseffekt: bei zwei gleichzeitigen Läufen 114–176 Sekunden je Million Tokens, bei drei gleichzeitigen 185–233 – nicht überlappende Bereiche trotz kleiner Stichprobe.


9. Verweise

  • Messprotokolle je Lauf: Versuche/Versuch_01/Tag 1/<ModellID>/<Modus>/<Effort>/<Laufverzeichnis>/Protokoll.md
  • Rohdaten: RawResult.json je Lauf, unverändert erhalten
  • Exakt gesendeter Prompt je Lauf: _meta/combined_prompt.md
  • Subagenten-Prompts: _meta/subagenten.md
  • Maschinelle Anforderungsauswertung: _meta/anforderungen.md und .json
  • Prozessvorgabe: .claude/skills/run-experiment/SKILL.md (Version 4.0.0, mit Änderungshistorie)
  • Nachweis des Untersuchungsgegenstands: Versuche/Versuch_01/_Codebasis-Nachweis.md
  • Struktur- und Umbenennungshistorie: Versuche/Versuch_01/_Umbenennung_*.md, _Umstrukturierung_2026-08-26.md