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Protokoll

Psychophysik Reflexe
Sensomotorik

Dienstag 30.03.2004

Gruppe B2D

Christoph Schwörer Daniel Kersting Senid Maslesa

Prolog

Die Psychophysik, auch subjektive Sinnesphysiologie genannt, unterscheidet sich zur

objektiven Sinnesphysiologie darin, dass die durch Reize verursacht Erregung nicht im

Körper direkt (z.B. Versuch Insekten ERG) gemessen werden sondern die Stärke der

Empfindung durch eine Versuchsperson angegeben wird.

Trotz der Subjektivität der Messungen existieren aber auch in der Psychophysik bestimmte

allgemein gültige Gesetzte und Rechenregeln. So setzt beispielsweise die Stevensche Potenzfunktion (E = k(S-S0)n mit E = Empfindungsintensität; n = ein vom Receptortyp

abhängiger positiver Wert; S = Reizwert; S0 = Schwellwert) den Empfindungswert zum

Reizwert in Proportion.

Es gibt aber auch Reize die nicht nur zu einer Empfindung führen sondern auch zu einer

direkten (meist Motorischen) Reaktion des Körpers führen. Diese unwillkürlichen, mit kurzer

Latenz ablaufenden Reaktionen werden Reflexe genannt.

Versuchsteil I:

Bestimmung der absoluten Hörschwelle des Menschen

Einleitung

Der Mensch ist in der Lage Frequenzen von ca. 15 Hz bis 17-21 kHz wahrzunehmen. Der

beim Sprechen verwendete Bereich („Sprachbereich“) liegt hierbei zwischen 300 Hz und

5000 Hz.

Nicht jede Frequenz ist bei gleich niedrigem Schalldruckpegel hörbar. So erfordert es

wesentlich geringeren Schalldruckpegel um Frequenzen im Sprachbereich wahrzunehmen als

außerhalb dieses Frequenzbereichs.

Der minimale Schalldruckpegel ab dem eine bestimmte Frequenz hörbar ist wird Hörschwelle

genannt.

Methode

In diesem Versuch wird der Versuchsperson ein Köpfhörer aufgesetzt der mit einem

Reizgenerator verbunden ist. Dieser kann Impulse in einem Frequenzbereich von 15 Hz bis

30 kHz bei verschiedenem Schalldruck erzeugen.

Nun werden verschieden Frequenzen, anfangend bei 20 Hz (50, 100, 200, 500, 1000, 2000,

5000, 10000 Hz) bei einem eindeutig hörbaren Schalldruckpegel eingestellt und anschließend

der Schalldruckpegel gesenkt bis die Frequenz von der Versuchsperson eindeutig nicht mehr

wahrgenommen werden kann. Anschließend wird der Schalldruckpegel wieder gesteigert bis

die Versuchsperson die Impulse wieder hören kann (Dieser eingestellte Schalldruckpegel

sollte jedoch geringer liegen als der zuvor eingestellte maximale Pegel). Diese Prozedur wird

solange auf und ab wiederholt bis man eine Genauigkeit von 0.5 dB SPL erreicht hat. Das

Angewandte Verfahren wird als „Staircase Prozedur“ bezeichnet.

Die bei den verschiednen Frequenzen gemessenen Schalldruckpegel werden zur Auswertung

protokolliert.

Anschließend werden noch die oberen und unteren absoluten Hörschwellen gemessen indem

ein Schalldruckpegel von 95 dB SPL am Gerät eingestellt wird und die Frequenz solange

gesteigert bzw. gesenkt wird, bis kein Ton mehr hörbar ist.

Ergebnisse:

100

50

0

-50

20

50 100 200 500 100 200 500 100

Beide Ohren 55 52 linkes Ohr 54 rechtes Ohr

39 40 42

24 17 19

Abb. 1.1

25 -1,5 -11 -11 -17 -9,5 -4 19 -6 22

-12 -14 -8 -4

-9 -2

3 -5

Erwartungsgemäß war das Hörvermögen der Testperson im Sprachbereich am besten, d.h. es

wird der niedrigste Schalldruckpegel benötigt um noch etwas wahrzunehmen. Außerhalb des

Sprachbereichs steigt die Kurve zu beiden Seiten hin an.

Die absolute obere Hörschwelle der Testperson lag bei 20700 Hz.

Die absolute untere Hörschwelle der Testperson lag bei 15 Hz (Niedrigst mögliche

Einstellung des Testgerätes, es ist also durchaus möglich das die tatsächliche absolute untere

Hörschwelle noch tiefer liegt als im Versuch bestimmt.)

Diskussion:

Wenn man die Kurve aus Abb. 1.1 mit Literaturwerten vergleicht lässt sich eine grobe

Übereinstimmung im Kurvenverlauf feststellen. Allerdings liegen die gemessenen Wert um

ein Stück nach unten verschoben. Weiterhin fällt auf, dass bei dem Versuch mit beiden Ohren

meist ein besseres Ergebnis erzielt wurde als nur mit einem Ohr.

Die absolute Hörschwelle der Testperson liegt sehr hoch jedoch noch gut im Bereich des

Möglichen.

Versuchsteil II:

Akustische Richtungslokalisation beim Menschen

Einleitung:

Um auf Gefahren außerhalb seines Gesichtsfeldes reagieren zu können ist es unverzichtbar

eine ungefähre Richtung des gehörten angeben zu können. So gehört die

Richtungslokalisation zu einer der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen. Dies wird

ermöglicht durch das „binaurale“ hören, also das hören mit 2 Ohren. Das binaurale hören wird

durch 2 Faktoren bestimmt. Zum einen durch die Zeitliche Verzögerung mit der ein

akustischer Reiz an beiden Ohren wahrgenommen wird. Wenn ein Geräusch beispielsweise

von rechts kommt so wird der Reiz zuerst am rechten Ohr und mit kurzer Verzögerung erst

am linken Ohr wahrgenommen. Der zweite bestimmende Faktor ist die Lautstärke des

Geräuschs, also der Schalldruck im Ohr. Der Reiz scheint immer aus der Richtung zu

kommen aus der er lauter wahrgenommen wird. So ein Reiz der auf dem linken Ohr lauter

wahrgenommen wird als auf dem rechten, „von links“ kommen.

Teil 1: Bestimmung der binauralen Zeitdifferenzschwelle

Methode:

Der Versuchsperson werden Kopfhörer aufgesetzt die mit einem Reizgenerator verbunden

sind der ein kurzes Klicken erzeugt. Am Reizgenerator lassen sich für den rechten und linken

Kanal der Kopfhörer verschiedene Verzögerungen (Im Bereich zwischen 0-9999µs)

einstellen. Nun wird am Reizgenerator ein fester wert von 1000µs Verzögerung für das rechte

Ohr eingestellt und die Verzögerung am linken Ohr um +- 100µs Variiert. Die

Versuchsperson, die nicht weiß wie das gerät eingestellt ist, muss nun angeben ob das

Geräusch von links oder rechts kommt. Die Angabe „Mitte“ ist hierbei nicht zulässig.

Protokolliert werden nun die Angaben der Versuchsperson bei zufällig eingestellten werden

im oben angegeben Testbereich und anschließend ausgewertet.

Ergebnisse:

Abb. 2.1

Wie man aus dem Schaubild (Abb. 2.1) erkennen kann ist beim „Mittelpunkt ein

Vorzeichenfehler aufgetreten. Dieser liegt bei 22 und nicht bei 22. Als Kriterium für ein

„sicheres“ Ergebnis bei einem psychophysischen Versuch wird eine 75% Schwelle gesetzt.

Bei der Versuchsperson liegt diese schwelle bei 28,24µs nach links und 14,76µs. Die

binaurale Zeitdifferenzschwelle entspricht dem Zeitabstand der subjektiven Mitte zum 75%-

Wert, für den Probanden also 6,75µs

Der Winkel zur Vorrausrichtung berechnet sich wie folgt:

sin α=∆l/d

∆t=∆l/c (cid:198) ∆l=∆t*c

Also ist: sin α= (∆t*c)/d, wobei:

α der gesuchte Winkel zur Vorrausrichtung,

∆t die Zeitverzögerung (in diesem Fall 6,75µs),

c die Schallgeschwindigkeit in der Luft (330m/s) und

d der durchschnittliche Ohrenabstand beim Menschen (20 cm) ist.

Es ergibt sich: sin α = (6,75µs * 330m/s) / 20cm = 0,0111 (cid:198) α =0,64°

Teil 2: Die relative Bedeutung von Schalldruck und Laufzeitunterschieden für das

Richtungshören beim Menschen („trading Messung“)

Methode:

Wie auch beim vorigen Versuch werden der Versuchsperson auch diesmal Kopfhörer

aufgesetzt und ein seitlich verzögertes Geräusch vorgespielt. Allerdings wird diesmal nicht

die Verzögerung verändert sondern die Lautstärke auf der „verzögerten“ Seite, solange bis die

Versuchsperson angibt, das Geräusch käme aus der Mitte. Die so ermittelten Werte werden in

ein Diagramm eingetragen und anschließen wird eine Ausgleichsgerade ermittelt und

eingezeichnet.

Ergebnisse:

Tabelle 1.1

Verzögerung

-100 -50 0 50 100

1 -9 -7,5 0 3 1,5

Durchgänge 3 -7,5 -1,5 4,5 0 7,5

2 -6 -4,5 0 3 1,5

4 -9 -3 3 4,5 7,5

5 -6 -6 1,5 6 4,5

Mittelwert

-7,5 -4,5 1,8 3,3 4,5

0

50

100

150

6 4 2 0 -2 -4 -6 -8 -10

-150

-100

-50

Abb. 2.2

Diskussion:

Versuchsteil III:

Reflexe motorische Reaktionen auf Sinneseindrücke

Einleitung:

Als Reflex bezeichnet man eine direkte, nur schwer Ermüdbare und willentlich nicht

unterdrückbare Reaktion eines Organismus auf einen äußeren Reiz. Dieser Reflex läuft bei

gleichem Reiz immer gleich ab. Durch sehr kurze Verschaltungswege im Nervensystem

laufen Reflexe sehr schnell ab. Man Unterscheidet hierbei zwischen monosynaptischen und

polysynaptischen Reflexen.

Bei einem monosynaptischen Reflex findet die Verschaltung direkt im Rückenmark über eine

einzige Synapse statt. Bei einem polysynaptischen Reflex findet die Verschaltung über

mehrer Synapsen im Rückenmark statt. Bei manchen polysynaptischen Reflexen können diese

auch erst im Hirn verschaltet werden.

Ein

durch

einen

Receptor

Wahrgenommener Reiz wird über

einen Nerv

in das Rückenmark

geleitet und dort Verschaltet. Der

Zellkörper dieses „afferenten“ Nervs

liegt

im

Spinalganglion Von

welchem aus das Axon des Nervs

durch die hintere Wurzel

ins

Rückenmark geleitet wird. Seine

Synaptische Endigung hat der Nerv

Im Vorderhorn der „grauen

Substanz“. Von dort aus wird der

Abb 3.1

Reiz über einen Nerv der an der „vorderen Wurzel“ aus dem Rückenmark austritt an den

Effektor weitergeleitet. Bei einem sogenannten Eigenreflex liegen Receptor und Effektor im

gleichen Organ. Bei einem Fremdreflex liegen Receptor und Effektor in unterschiedlichen

Organen..

Methode:

Durchgeführt wurde der sogenannte Patellarsehnenreflex. Hierbei wurde die Ferse der

Versuchsperson mit Kontaktgel bestrichen und mit einem Elektrischen Kontakt in

Verbindung gebracht. Um die Kontaktschleife zu schließen musste die Versuchsperson den

zweiten Kontakt in der Hand halten. Die Zwei Kontakte waren über einen Zeitmesser

miteinander verbunden. Nun wurde der Versuchsperson mit einem Hammer an dem sich ein

dritter Kontakt befand unterhalb der Kniescheibe auf die Pattelarsehne geschlagen. Dieser

Kontakt setze den Zeitmesser in Gang. Die Unterbrechung der Kontaktschleife durch das nach

vorne zucken des Unterschenkels durch den ausgelösten Reflex beendete die Zeitmessung

wieder. In diesem Zustand wurde der Versuch 16 mal wiederholt und die Ergebnisse notiert.

(Tabelle 3.1) Anschließend musste die Versuchsperson den Ganzen Körper in eine

Grundspannung versetzten und der Versuch wurde weitere 16 Male wiederholt und die

Ergebnisse notiert.(Tabelle 3.1) Anschließend wurde das Knie der Versuchsperson mit dem

Hammer nur berührt um der Versuchsperson ein Signal zu geben ohne einen Reflex

auszulösen. Die Person sollte so schnell wie möglich den Kontakt der Ferse unterbrechen,.

Dieser Versuch wurde weitere 16 mal wiederholt und die Ergebnisse notiert.(Tabelle 3.1).

Tabelle 3.1

Durchgänge

entspannt

116 182 154 152 177 218 255 143 210 218 155 236 259 267 179 322 202,69 51,93

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

Mittlewert Standartabweichung

Diskussion:

Reaktionszeit angespannt willentlich 146 156 128 118 113 122 154 126 133 134 120 189 118 220 161 137 142,19 27,13

310 291 473 338 312 364 375 431 312 379 377 363 468 357 480 310 371,25 58,21

Man erkennt deutlich die Abweichungen zwischen entspannter und angespannter

Körperhaltung. Diese liegen weit jenseits der 5% die allgemein als „Standartabweichung“

zulässig sind. Beim Wilkoxon Verfahren lagen beide Messreihen außerhalb dieser

Maximalabweichung. Die Messergebisse sind im unwillkürlichen Bereich recht hoch aber

noch im vertretbaren Bereich. Die willkürliche Reaktion ist erwartungsgemäß extrem niedrig.

Die starke Standartabweichung weißt auf eine erhöhte körperliche Unruhe hin.

Versuchsteil IV:

Sensomotorische Integration

Einleitung:

Methode:

Bei diesem Versuch wurde der Kopf der Testperson mit Hilfe eines Gestells so fixiert, dass

die Augen 57cm entfernt vom Bildschirm lagen. Anschließend wurde ein Infrarotsensor am

linken Auge angebracht der die Augenbewegung maß und an einen Computer weitergab. Es

wurden 4 verschiedene Versuchsreihen durchgeführt. Jeweils eine zur Linearität der

Augenbewegung, zur glatten Augenbewegung, zur Augenbewegung beim Lesen und eine zu

den Sakkaden des Auges. Beim Versuch zur Linearität musste die Versuchsperson jeweils

einen weißen Balken auf dem Monitor Fixieren der in 2° Schritten von 10° bis +10°

eingeblendet wurde fixieren. Anschließend wurde die glatte Augenbewegung in drei

Versuchen gemessen. Hierbei musste die Versuchsperson zuerst einen Weißen Punkt auf

schwarzem Hintergrund fixieren, der sich mit sinusförmiger Geschwindigkeit im 10° bis

+10° Bereich bewegte. Beim 2. Versuch wurde der Monitor abgeschaltet und die

Versuchsperson sollte versuchen die Augenbewegung im vorhergehenden Versuch zu

wiederholen. Beim 3. Versuch wurde der Monitor wieder eingeschaltet und die

Versuchsperson musste den selben Punkt auf einem Strukturierten Hintergrund verfolgen.

Nun wurde der Versuchsperson zu dem Versuch der Augenbewegungen beim Lesen ein

normaler Deutscher Text eingeblendet und die Augenbewegungen beim lesen aufgezeichnet.

Anschließend wurden der Versuchsperson ein englischer Text, ein Gedicht und ein Text mit

schweren Rechtschreibfehlern eingeblendet und die Augenbewegungen wiederum

aufgezeichnet.

Ergebnisse:

9000 8000 7000 6000 5000 4000 3000 2000 1000 0

-15

-10

-5

0

5

10

15

Abb. 4.1(X-Achse: Ausrichtung [°] Y-Achse: Horiz. Augenposition[mm])

In Abb. 4.1 dargestellt ist der lineare Zusammenhang zwischen tatsächlicher und gemessener

Augenbewegung. Man erkennt auf beiden Seiten der Achse ein recht lineares Messergebnis.

Die Verschiebung der Geraden nach links lässt auf eine Verschiebung des Messmittelpunktes

schließen.

Abb. 4.2 (Lineare Augenbewegung bei eingeschaltetem Bildschirm)

Wie man deutlich erkennt braucht die Versuchsperson ca. 1 Sekunde um den Punkt zu

fokussieren und dem Punkt mit den Augen zu folgen. Ist dies aber erst einmal erfolg bleibt die

Augenbewegung, bis auf einen kurzen Ausschlag bei Sekunde 6 sehr nah der tatsächlichen

Bewegung des Punktes. Dieser kurze Ausschlag wird sehr vermutlich ein kurzer Lidschlag

der Testperson sein.

Abb. 4.3 (Lineare Augenbewegung bei ausgeschaltetem Monitor)

Man erkennt deutlich, dass die Augenbewegung nicht mehr linear sondern sehr sprunghaft

verlief. Die Geschwindigkeit des Punktes wurde recht gut eingehalten jedoch wird der

Ausschlag nach rechts bzw. links zum Ende hin immer größer.

Abb. 4.4 (Lineare Augenbewegung auf strukturiertem Hintergrund)

Im Vergleich mit Abb. 4.2 sieht man, dass es ca. die doppelte Zeit, also 2 Sekunden, dauert

bis die Versuchsperson den sich bewegenden Punkt auf dem Strukturierten Hintergrund

ausgemacht hat und ihn fokussiert. Ist dies aber einmal geschehen folgt der Fokus fast ideal

dem Punkt.

Abb. 4.5 (Augenbewegung bei einem deutschen, recht einfachem Text)

Man erkennt, dass beim lesen sas Wort meist sehr schnell mit dem Auge überflogen wird, der

Fokus dann aber eine kurze Zeit am Wortende bleibt. Da es sich um einen recht einfachen

Text handelt gibt es so gut wie keine Rücksprünge innerhalb einer Zeile um einen Teil erneut

zu lesen.

Abb. 4.6 (Augenbewegung bei einem englischen normal schweren Text)

Auch dieser Text konnte von der Versuchsperson ohne größere Schwierigkeiten gelesen

werden. Es gibt jedoch einige stellen an denen der Fokus des auges zurück sprang um einen

Teil des bereits gelesenen erneut zu lesen. Man kann daraus schließen dass die

Versuchsperson mit dem englischen nicht so vertaut ist wie mit Deutsch und bei manchen

Worten Verständnis- bzw. Identifikations-Probleme auftreten.

Abb. 4.6 (Augenbewegung beim lesen eines Gedichts)

Man erkennt, dass das Auge beim lesen des Gedicht länger auf einem Wort verweilte und

auch öfters zurück sprang. Dies lässt sich wohl damit erklären, dass es beim lesen des

Gedichts länger dauert das aktuelle Wort in Zusammenhang mit dem ganzen Text zu bringen,

was aber auch nicht immer sofort gelingt, so dass Teile des Textes erneut gelsen werden

müssen um den Sinn zu erkennen.

Abb. 4.7 (Augenbewegung beim lesen eines Textes mit schweren Rechtschreibfehlern)

Es wird hier ein deutlicher Unterschied zu den obigen Texten bemerkbar. Für die einzelnen

Worte benötigte die Versuchsperson wesentlich länger und sie musste sehr oft bereits gelsene

Teile wiederholen. Hier wird auch eine deutliche Zeitverschiebung zwischen „lesen“ und

„verstehen“ erkennbar da oft Worte mit Fehlern überlesen werden und erst am Ende des

Satzes springt das Auge auf die fehlerhafte Stelle zurück.

Abb. 4.8 (Aufzeichnung der Latenz der Sakkaden des Auges bei 10° bis +10°)

Man erkennt eine deutliche Ballung der Messewerte bei ca. 150ms was darauf hindeutet, dass

es sich um einen unwillkürlichen Reflex handelt und nicht um eine willentliche Handlung.

Betrachtet man die Mittelwerte so lässt sich ein leichter Anstieg von links nach rechts

feststellen was vermutlich an der Messung am linken Auge liegt.

Abb. 4.9 (Links: Geschwindigkeit der Augenbewegung in Abhängigkeit der Amplitude Rechts: Latenz der Augenbewegung in Abhängigkeit der Amplitude)

Auf dem linken Schaubild erkennt man, dass die Geschwindigkeit mit derr sich Auge bewegt

unabhängig von der Strecke ist die es zurücklegen muss. Auf dem rechten Schaubild erkennt

man die Latenz bis zur erneuten Fokussierung des Auges auf einen Punkt im Abstand der

Amplitude zur ursprünglichen Fokussierung des Auges. Bringt man die beiden Schaubilder in

Verbindung so lässt sich feststellen, dass je größer die Amplitude, also je weiter der „neue“

Punkt als Abbild auf der Netzhaut von der Fovea (also dem Ursprünglichen Fokus des Auges)

entfernt ist, die Latenz bis sich das Auge reagiert in einer logarithmus-ähnlichen Kurve

abgebildet wird. Dies liegt vermutlich an der immer größer werdenden Querverschaltung der

Sehzellen je weiter diese von der Fovea entfernt liegen, da es dann länger dauert bis der neue

Fokuspunkt „errechnet“ wurde.

4.10 (Abbildung der Sakkaden des Auges gegen [s])

Hier sieht man alle Sakkaden des Auges der Testperson übereinandergelagert. Man erkennt

deutlich eine Verdichtung etwas ober- und unterhalb der Stellen an denen eigentlich der Punkt

aufgetaucht ist, dies lässt sich auf eine ungenügende Kalibrierung des Messgeräts und vor

allem auf eine zu starke Verstärkung der Messdaten zurückführen. Die ungefähre Latenz liegt

bei 150-200 ms. Dies berechnet sich aus dem Auftauchen des Punktes (roter Strich bei 0.2s)

und dem Beginn der Augenbewegung (bei ca. 400ms). Vgl. hierzu Abb. 4.8.

Abb. 4.11 (Durchschnittliche Genauigkeit der Sakkaden bei gegebenem Auslenkungsgrad)

Das alle gemessenen Durchschnittswerte im positiven Bereich liegen verstärkt die

Vermutung, dass die Verstärkung am Messgerät zu stark eingestellt war. Vgl. hierzu Abb.

4.10.

Literatur:

Adolf Faber, Der Körper des Menschen, 13. Auflage

N.A. Campbell, Biologie, 6. Auflage