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#heading(level: 1)[Einleitung (ca. 8 Seiten)]
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#heading(level: 2)[Ausgangssituation und Motivation]
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In den vergangenen Jahren hat die digitale Transformation mittelständische Softwareanbieter gezwungen, ihre Produkte neu zu bewerten. Betroffen sind vor allem Systeme, die über lange Jahre ausschließlich in Windows-Umgebungen vertrieben wurden. Diese stoßen bei Cloud-, Web- und Mobile-Szenarien an technische sowie organisatorische Grenzen und häufen zunehmend technische Schulden an. Eine technologische Weiterentwicklung wird zusehends schwieriger, und an einer Neuentwicklung führt oft kein Weg vorbei. Dokumentierte Anforderungen oder eine systematische Code-Dokumentation sind allerdings selten. Der Großteil des Wissens steckt implizit im Code oder in den Köpfen der verbleibenden Entwickler.
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Die c-entron GmbH in Ulm ist von diesem Szenario unmittelbar betroffen. Das Unternehmen betreibt seit über zwanzig Jahren eine Windows-basierte ERP-Suite für IT-Systemhäuser. Die Lösung deckt Auftragsabwicklung, Lager, Fakturierung und Projektabrechnung ab, ist jedoch eng mit der bisherigen Client/Server-Architektur gekoppelt. Kunden erwarten inzwischen plattformunabhängige Oberflächen, Self-Service-Funktionen und flexible Betriebsmodelle wie SaaS (Software as a Service). Die bestehende Anwendung ist in Skalierung, Deployment und Abrechnung jedoch limitiert, sodass eine Migration auf eine webbasierte Plattform zwingend erforderlich wird.
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Eine Neuimplementierung auf Basis vorhandener Anforderungs- oder Code-Dokumentation ist aus den oben genannten Gründen kaum möglich. Die Herausforderung besteht darin, mit möglichst geringem Aufwand eine vollständige Beschreibung eines komplexen ERP-Systems zu erarbeiten. Eine manuelle Auswertung von Code und Oberflächen auf Funktionalitäten ist angesichts der Komplexität, die aus der langjährigen Weiterentwicklung resultiert, nur mit sehr hohem Personalaufwand möglich und daher nicht realisierbar.
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In den vergangenen Jahren hat sich hierzu ein neues Instrumentarium etabliert. Large Language Models wie ChatGPT-5 oder Claude.ai können in Verbindung mit agentischen CLIs (Codex, Claude Code) große Mengen an Quellcode analysieren, Anforderungen erarbeiten und textuell beschreiben. Damit entsteht die Chance, fehlende Anforderungsdokumentationen zumindest teilweise aus dem Code heraus zu rekonstruieren. Die praktische Nutzung dieses Potenzials ist bislang kaum erforscht. Diese Arbeit setzt an dieser Stelle an und untersucht, wie KI-gestützte Verfahren für eine systematische Anforderungsanalyse eingesetzt werden können.
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#heading(level: 2)[Problemstellung]
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Für das ERP-Software-Produkt der c-entron fehlen strukturierte und dokumentierte Requirements. Die Analyse der bestehenden Codebasis ist zeit- und ressourcenintensiv sowie anfällig für Insel- und Metawissen. Daraus ergeben sich mehrere Risiken:
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/ Re-Implementationsfehler: Edge Cases, Workarounds und kundenindividuelle Anpassungen sind nur im Code sichtbar. Ohne vollständige Erfassung drohen Funktionsverluste nach der Migration. Workarounds sind zugleich Symptom einer mangelhaften Anforderungserfassung in der ursprünglichen Implementierung und Zeichen fehlender Weitsicht.
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/ Technische Schuld: Entwickler investieren viel Zeit in das Verständnis historischer Strukturen, statt aktiv an der neuen Plattform zu arbeiten. Veraltete Muster werden unreflektiert übernommen. Neue Mitarbeiter sind mit den alten Technologien nicht vertraut, und es fehlt ihnen das Verständnis für historische Zwänge und Zusammenhänge.
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/ Implizites Wissen: Domänenwissen liegt bei wenigen langjährigen Mitarbeitenden. Personalwechsel führen zu Wissensverlust und Verzögerungen. Gleichzeitig führt die langjährige Arbeit mit dem bestehenden System zu eingeschränkter Offenheit beim Design neuer Lösungen („Das haben wir schon immer so umgesetzt").
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/ Komplexität der Codebasis: Verschachtelte Abhängigkeiten, unterschiedliche Stile und technologiebedingte Zwänge erschweren eine modulare Anforderungsableitung.
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/ Fehlende Traceability: Ohne Zuordnung zwischen Code und Geschäftsprozess fehlt die Grundlage für Priorisierung, Testkonzeption und spätere Wartung. Große Teile des Codes sind zudem generisch und lassen sich keiner konkreten Anforderung zuordnen, etwa das Anzeigen einer Tabelle. Konkrete Datenflüsse lassen sich nur am laufenden System beobachten, was die Analyse um eine weitere Größenordnung ressourcenintensiver macht.
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Eine rein manuelle Rekonstruktion aller Anforderungen wäre wirtschaftlich kaum tragbar. Deshalb soll geprüft werden, ob KI-gestützte Verfahren Requirements so extrahieren können, dass sie als belastbare Basis für die Modernisierung dienen.
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#heading(level: 2)[Zielsetzung]
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Diese Arbeit verfolgt das Ziel, ein vollständiges Vorgehen für KI-gestütztes Reverse Requirements Engineering im Umfeld eines mittelständischen ERP-Herstellers zu entwickeln und zu bewerten. Die Teilziele lauten:
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- Entwicklung eines Prozessmodells, das Vorbereitung, Analyse, Validierung und Übergabe strukturiert.
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- Evaluation aktueller LLMs hinsichtlich Kontextfenster, Codeverständnis, Steuerbarkeit, Kosten und Datenschutz.
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- Definition eines Evaluationsrahmens mit quantitativen und qualitativen Kriterien (Vollständigkeit, Verständlichkeit, Redundanzfreiheit, Aufwandseinsparung).
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- Integration von Stakeholder-Wissen durch Interviews, um die Qualität der KI-Ergebnisse zu bewerten und nicht direkt aus dem Code ableitbare Anforderungen zu ergänzen.
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#heading(level: 2)[Forschungsleitfragen]
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Diese Zielsetzung wird über vier Forschungsleitfragen strukturiert:
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1. *Einsatz von LLMs im Reverse Requirements Engineering:* Welche Prozessschritte, Steuerungsmechanismen und Kontrollpunkte sind notwendig, um LLMs reproduzierbar einzusetzen?
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2. *Kombination von KI-Analyse und Stakeholder-Input:* Welche funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen lassen sich aus Code extrahieren, und welche Informationen müssen über Interviews ergänzt werden?
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3. *Qualitätsbewertung der generierten Requirements:* Wie beurteilen Fachexperten Vollständigkeit, Verständlichkeit, Nützlichkeit und Aufwandseinsparung der KI-Ergebnisse?
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4. *Chancen und Grenzen des Ansatzes:* Welche Effizienzgewinne sind realistisch, wo liegen technische oder organisatorische Limitierungen, und welche Risiken (z. B. Halluzinationen, Datenschutz) müssen adressiert werden?
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#heading(level: 2)[Aufbau der Arbeit]
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Die Arbeit ist in acht Kapitel gegliedert:
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1. *Einleitung:* Kontext, Problemstellung, Ziele und Forschungsfragen.
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2. *Theoretische Grundlagen:* Requirements Engineering, Reverse Engineering, Large Language Models sowie Qualitätssicherungskriterien.
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3. *Fallstudie c-entron GmbH:* Unternehmensprofil, Produktarchitektur, Migrationsdruck und Rahmenbedingungen.
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4. *Konzeption und methodisches Vorgehen:* Prozessmodell, Technologieauswahl, Stakeholder-Einbindung und Datenbasis.
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5. *Ergebnisse:* Vollständige Ergebnisdarstellung der drei Versuche inkl. Artefaktlisten und beispielhafter Requirements / Use Cases aus den Ergebnisverzeichnissen.
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6. *Evaluation:* Vorgehen, Metriken, Ergebnisse und Expertenfeedback.
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7. *Diskussion:* Interpretation der Resultate, Limitationen und Implikationen für Forschung und Praxis.
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8. *Fazit und Ausblick:* Zusammenfassung, Beantwortung der Forschungsfragen und Perspektiven für weitere Arbeiten.
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