RQ bis Z77
This commit is contained in:
@@ -11,7 +11,7 @@ Im Kern adressiert das Requirments Engineering zwei Themen:
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Ein etablierter Ansatz zur Strukturierung von diversen Sichtweisen ist das Viewpoint-Konzept @kotonya1996viewpoints, bei dem Anforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven modelliert und anschließend konsolidiert werden .
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Für diese Arbeit ist die Perspektivenorientierung relevant, weil implementierter Code typischerweise keine expliziten Stakeholder-Sichten enthält. Für eine Migration auf Basis eines Reverse Engeneering Ansatzes sind diese aber relevant für die implementierung und architekturlle Entscheidungen (z. B. Nutzerrollen, kundenspezifische Varianten, regulatorische Vorgaben).
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_Für diese Arbeit ist die Perspektivenorientierung relevant, weil implementierter Code typischerweise keine expliziten Stakeholder-Sichten enthält. Für eine Migration auf Basis eines Reverse Engeneering Ansatzes sind diese aber relevant für die implementierung und architekturlle Entscheidungen (z. B. Nutzerrollen, kundenspezifische Varianten, regulatorische Vorgaben)._
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#heading(level: 3)[Arten von Requirements und Qualitätskriterien]
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@@ -21,59 +21,60 @@ Für die Qualität einzelner Requirements gibt es etablierte Standards. @iso2914
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Für die Bewertung von KI-extrahierten Requirements sind drei Kriterien maßgeblich relevant:
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- **Verifizierbarkeit:** Ein Requirement ist so formuliert, dass ein Test oder eine Prüfmethode ableitbar ist (z. B. Messkriterium, Akzeptanzbedingung).
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- **Eindeutigkeit:** Formulierungen vermeiden Mehrdeutigkeiten und definieren Begriffe, die in der Domäne unterschiedlich interpretiert werden können \ (z.B. „Das System soll Aufträge schnell verarbeiten" vs. „Das System soll einen Auftrag innerhalb von 2 Sekunden validieren und bestätigen")
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- **Nachvollziehbarkeit (Traceability):** Es ist erkennbar, aus welchem Requirement das Artefakt (Code, Konfiguration, Datenbank, Ticket, Interview) abgeleitet wurde.
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- *Verifizierbarkeit:* Ein Requirement ist so formuliert, dass ein Test oder eine Prüfmethode ableitbar ist (z. B. Messkriterium, Akzeptanzbedingung).
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- *Eindeutigkeit:* Formulierungen vermeiden Mehrdeutigkeiten und definieren Begriffe, die in der Domäne unterschiedlich interpretiert werden können \ (z.B. „Das System soll Aufträge schnell verarbeiten" vs. „Das System soll einen Auftrag innerhalb von 2 Sekunden validieren und bestätigen")
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- *Nachvollziehbarkeit (Traceability):* Es ist erkennbar, aus welchem Requirement das Artefakt (Code, Konfiguration, Datenbank, Ticket, Interview) abgeleitet wurde.
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Qualitätsanforderungen verdienen im Modernisierungskontext eine gesonderte Betrachtung, weil sie über die reine Funktionsgleichheit hinaus die Zielarchitektur motivieren. #cite(<glinz2008quality>, form: "prose") argumentiert, dass Qualitätsanforderungen risikobasiert und wertorientiert priorisiert werden sollten. Für Legacy-Migrationen ist dies plausibel: Ein „vollständiges" Requirements-Set ist praktisch schwer erreichbar, gleichzeitig sind bestimmte Quality Requirements (z. B. Datenschutz, Verfügbarkeit, Rollout-Fähigkeit) hochkritisch, weil sie Architekturentscheidungen dominieren.
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Nicht funktionale Anforderungen (z.B. Qualitätsanforderungen) bedürfen einer besonderen Betrachtung, weil sie über die reine Funktionsgleichheit hinaus die Zielarchitektur bestimmen. #cite(<glinz2008quality>, form: "prose") argumentiert, dass Qualitätsanforderungen risikobasiert und wertorientiert priorisiert werden sollten. Für Legacy-Migrationen ist dies nachvollziehbar: Ein „vollständiges" Requirements-Set ist praktisch schwer erreichbar, gleichzeitig sind bestimmte Non-Functional Requirements (z. B. Datenschutz, Verfügbarkeit, Rollout-Fähigkeit) hochkritisch, weil sie Architekturentscheidungen dominieren.
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Für die inhaltliche Strukturierung von Qualitätsanforderungen ist das Qualitätsmodell ISO/IEC 25010:2011 verbreitet, das Qualitätsmerkmale wie Performance-Effizienz, Zuverlässigkeit, Sicherheit oder Wartbarkeit systematisch ordnet. Für Reverse Requirements Engineering ist dies hilfreich, weil aus Code häufig nur Teilaspekte sichtbar werden (z. B. Caching-Mechanismen als Hinweis auf Performance-Annahmen), während andere Qualitätsziele (z. B. „Maintainability") eher indirekt über Architekturentscheidungen und Entwicklungspraktiken wirksam werden @iso25010_2011.
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Die Relevanz sauberer Requirements-Qualität zeigt sich auch in der Risikoperspektive. #cite(<lawrence2001toprisk>, form: "prose") beschreiben Requirements Engineering als primäre Risikozone, wenn Anforderungen unklar, instabil oder unvollständig sind. Für diese Arbeit folgt daraus, dass KI-gestützte Requirements-Extraktion nicht nur „mehr Text" erzeugen darf, sondern gezielt die Risiken der Unklarheit und der Fehlinterpretation reduzieren muss.
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Die Relevanz saubere formulierter Requirements zeigt sich auch in der Risikoperspektive. #cite(<lawrence2001toprisk>, form: "prose") beschreiben Requirements Engineering als primäres Risiko, wenn Anforderungen unklar, instabil oder unvollständig sind.
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_Für diese Arbeit folgt daraus, dass KI-gestütztes Reverse-Requirements-Engineering nicht nur „mehr Text" erzeugen darf, sondern gezielt die Risiken der Unklarheit und der Fehlinterpretation reduzieren muss._
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#heading(level: 3)[Spezifikationsformen und Grad der Formalisierung]
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Requirements werden in der Praxis in unterschiedlichen Repräsentationsformen dokumentiert. Standards wie IEEE 830-1998 und ISO/IEC/IEEE 29148:2018 fokussieren auf strukturierte Spezifikationen (z. B. SRS) und definieren typische Kapitel (Zweck, Systemkontext, funktionale Anforderungen, Schnittstellen, Qualitätsanforderungen, Annahmen). Daneben existieren weniger formale Formen wie User Stories, Use-Case-Beschreibungen oder Backlog-Einträge, die vor allem in agilen Settings verbreitet sind @ieee830_1998 @iso29148_2018.
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Requirements werden in unterschiedlichen Repräsentationsformen dokumentiert. Standards wie IEEE 830-1998 und ISO/IEC/IEEE 29148:2018 fokussieren auf strukturierte Spezifikationen (z. B. SRS) und definieren typische Kapitel (Zweck, Systemkontext, funktionale Anforderungen, Schnittstellen, Qualitätsanforderungen, Annahmen). Zudem existieren weniger formale Formen wie User Stories, Use-Case-Beschreibungen oder Backlog-Einträge, die in agilen Settings verwendung finden. @ieee830_1998 @iso29148_2018.
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Für Reverse Requirements Engineering sind zwei Punkte entscheidend:
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- **Form beeinflusst Interpretierbarkeit:** Eine knappe User Story („Als Nutzer möchte ich …") ist leicht verständlich, transportiert aber selten Randbedingungen, Datenregeln oder Fehlerfälle. Eine SRS-Formulierung kann präziser sein, erfordert aber mehr Kontext und Definitionen.
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- **Grad der Formalisierung beeinflusst Prüfbarkeit:** Je stärker Requirements mit Akzeptanzkriterien, Beispielen oder Messgrößen verknüpft sind, desto einfacher sind Reviews und Tests. #cite(<pohl2010re>, form: "prose") betont Anforderungen-Validierung als eigene Disziplin, die ohne prüfbare Formulierungen methodisch kaum belastbar ist.
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- *Form* beeinflusst Interpretierbarkeit: Eine kurze User Story („Als Nutzer möchte ich …") ist leicht verständlich, transportiert aber weniger Randbedingungen, Datenregeln oder Fehlerfälle. Eine SRS-Formulierung kann präziser sein, erfordert aber mehr Kontext und Definitionen.
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- *Grad* der Formalisierung beeinflusst Prüfbarkeit: Je stärker Requirements mit Akzeptanzkriterien, Beispielen oder Messgrößen verknüpft sind, desto einfacher sind Reviews und Tests. #cite(<pohl2010re>, form: "prose") betont Anforderungen-Validierung als eigene Disziplin.
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Im Kontext dieser Arbeit bietet sich daher ein hybrider Stil an: Requirements werden als kurze, klare Soll-Aussagen formuliert und jeweils um Kontext (Akteur/Prozess), Randbedingungen (Vorbedingungen, Datenobjekte) und mindestens eine Prüfidee ergänzt. LLMs können die sprachliche Konsistenz unterstützen, die notwendige Präzisierung muss jedoch durch Belege und Validierung abgesichert werden.
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_Für diese Arbeit wir daher ein hybrider Stil gewählt: Requirements werden als kurze, klare Soll-Aussagen formuliert und jeweils um Kontext (Akteur/Prozess), Randbedingungen (Vorbedingungen, Datenobjekte) und mindestens eine Prüfidee ergänzt._
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#heading(level: 3)[Traceability als Verbindung zwischen Code und Requirement]
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Traceability bezeichnet die Möglichkeit, Beziehungen zwischen Requirements und anderen Artefakten herzustellen und über den Lebenszyklus zu pflegen. #cite(<gotel1994traceability>, form: "prose") analysieren Traceability als wiederkehrendes Problem, insbesondere dort, wo Artefakte heterogen sind und die Disziplin zur Pflege fehlt. #cite(<ramesh2001traceability>, form: "prose") schlagen Referenzmodelle vor, die Traceability-Typen und -Ziele strukturieren, etwa die Rückverfolgbarkeit zur Begründung (Rationale), zu Designentscheidungen oder zur Evolution eines Requirements.
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Traceability bezeichnet die Verknüpfung von Requirements und Artefakten, wie z.B. Code oder Test. #cite(<gotel1994traceability>, form: "prose") bezeichnen Traceability als wiederkehrendes Problem, vor allem bei unterschiedlichen Arten von Artefakten.
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Für Reverse Requirements Engineering ist Traceability nicht nur ein „Nice-to-have", sondern eine Sicherheitsmaßnahme:
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Beim Reverse Requirements Engineering ist Traceability nicht nur ein „Nice-to-have", sondern eine Grundvoraussetzung.\
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Ein Requirement lässt sich gegen konkrete Codeausschnitte oder Laufzeitbeobachtungen prüfen da da Requirement ja aus dem Code selbst entsteht.
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- **Plausibilisierung:** Ein Requirement lässt sich gegen konkrete Codeausschnitte oder Laufzeitbeobachtungen prüfen.
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- **Abgrenzung:** Es wird klar, ob eine Aussage wirklich aus der Codebasis folgt oder aus Interpretationen und Ergänzungen entsteht.
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- **Änderungsmanagement:** Bei Codeänderungen lässt sich ermitteln, welche Requirements betroffen sein könnten.
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In Legacy-Systemen ist die Ursprüngliche Traceability typischerweise unvollständig, falls überhaupt vorhanden: Hinweise finden sich in Commit-Messages, Branch-Namen, Datenbankskripten, Konfigurationsdateien, UI-Texten oder in impliziten Konventionen. Der Anspruch dieser Arbeit besteht daher nicht darin, „perfekte" Traceability wiederherzustellen, sondern eine minimal belastbare, reproduzierbare Verknüpfung zwischen extrahierten Requirements und Artefakten zu etablieren.
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In Legacy-Systemen ist Traceability typischerweise fragmentiert: Hinweise finden sich in Commit-Messages, Branch-Namen, Datenbankskripten, Konfigurationsdateien, UI-Texten oder in impliziten Konventionen. Der methodische Anspruch dieser Arbeit besteht daher nicht darin, „perfekte" Traceability wiederherzustellen, sondern eine minimal belastbare, reproduzierbare Verknüpfung zwischen extrahierten Requirements und Belegen zu etablieren.
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#heading(level: 3)[Abgrenzung von Reverse Engineering zu Reverse Requirements Engineering]
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#heading(level: 3)[Reverse Engineering und Reverse Requirements Engineering]
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Reverse Engineering wird klassisch als Analyseprozess verstanden, der aus einem bestehenden System Wissen über Struktur, Verhalten und Designentscheidungen rekonstruiert. #cite(<chikofsky1990taxonomy>, form: "prose") prägen hierfür die Bennung und grenzen Reverse Engineering von Reengineering sowie Design Recovery ab. Für Requirements-nahe Fragestellungen ist hier relevant, dass Reverse Engineering nicht automatisch auch Requirements liefert, sondern erstmal nur technische Fakten (z. B. Abhängigkeiten, Datenflüsse, Zustandsautomaten).
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Reverse Engineering wird klassisch als Analyseprozess verstanden, der aus einem bestehenden System Wissen über Struktur, Verhalten und Designentscheidungen rekonstruiert. #cite(<chikofsky1990taxonomy>, form: "prose") prägen hierfür eine Taxonomie und grenzen Reverse Engineering von Reengineering sowie Design Recovery ab. Für Requirements-nahe Fragestellungen ist hier relevant, dass Reverse Engineering nicht automatisch „Anforderungen" liefert, sondern zunächst technische Fakten (z. B. Abhängigkeiten, Datenflüsse, Zustandsautomaten).
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Reverse Requirements Engineering (RRE) fokussiert sich dagegen auf die rückwärtsgerichtete Gewinnung von Requirements aus bestehenden Artefakten. Dabei kann das Ziel unterschiedlich interpretiert werden:
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Reverse Requirements Engineering (RRE) fokussiert auf die rückwärtsgerichtete Gewinnung von Anforderungen aus bestehenden Artefakten. Dabei kann das Ziel unterschiedlich interpretiert werden:
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- *Rekonstruktion eines Soll-Zustands:* Welche fachlichen Anforderungen werden durch die aktuelle Implementierung implizit erfüllt? Was war das ursprüngliche Ziel der Imepementierung?
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- *Rekonstruktion eines Ist-Zustands:* Welche Funktionen und Regeln sind dagegen tatsächlich implementiert?
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- **Rekonstruktion eines Soll-Zustands:** Welche fachlichen Anforderungen werden durch die aktuelle Implementierung implizit erfüllt?
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- **Rekonstruktion eines Ist-Zustands:** Welche Funktionen und Regeln sind tatsächlich implementiert, unabhängig davon, ob sie intendiert waren?
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Gerade im Legacy Umfeld ist diese Unterscheidung entscheidend. Die Codebasis enthält oft historisch entstandene Workarounds oder kundenspezifische Anpassungen. Ohne zusätzliche Validierung besteht das Risiko, dass RRE den Ist-Zustand als Soll-Zustand fehlinterpretiert.
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Gerade im Migrationskontext ist diese Unterscheidung entscheidend. Die Codebasis enthält oft historisch entstandene Workarounds oder kundenspezifische Anpassungen. Diese können fachlich gewollt, technisch opportunistisch oder schlicht „mitgewachsen" sein. Ohne zusätzliche Validierung besteht das Risiko, dass RRE den Ist-Zustand als Soll-Zustand fehlinterpretiert.
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Frühe Ansätze zur Brücke zwischen Reverse Engineering und Requirements liefern beispielsweise #cite(<yu2005retr>, form: "prose") mit „RETR: Reverse Engineering to Requirements". Der Beitrag betont, dass Requirements-Rückgewinnung eine methodische Kette aus Artefaktsichtung, Strukturierung und Validierung benötigt. In ähnlicher Richtung beschreibt ein requirementsgetriebenes Reengineering-Framework, wie Requirements als Leitplanken für Reengineering-Entscheidungen genutzt werden können @tahvildari2001reengineering.
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Frühe Ansätze zur Brücke zwischen Reverse Engineering und Requirements liefern beispielsweise #cite(<yu2005retr>, form: "prose") mit „RETR: Reverse Engineering to Requirements". Der Beitrag betont, dass Requirements-Rückgewinnung eine methodische Kette aus Artefaktsichtung, Strukturierung und Validierung benötigt.
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Methodisch lassen sich dabei grob zwei Analysestränge unterscheiden:
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- **Statische Analyse:** Ableitung von Struktur- und Datenflussinformationen aus Code und Artefakten ohne Ausführung (z. B. Abhängigkeiten, SQL-Statements, Aufrufketten). Statische Analyse ist skaliert gut, erkennt aber nicht zuverlässig Laufzeitbedingungen (z. B. Feature Flags, Konfigurationsvarianten).
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- **Dynamische Analyse:** Beobachtung von Laufzeitverhalten durch Logging, Tracing oder instrumentierte Tests (z. B. welche Regeln bei bestimmten Eingaben greifen). Dynamische Analyse ist näher am realen Verhalten, benötigt aber reproduzierbare Szenarien und Testdaten.
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- *Statische Analyse:* Ableitung von Struktur- und Datenflussinformationen aus Code und Artefakten ohne Ausführung (z. B. Abhängigkeiten, SQL-Statements, Aufrufketten). Statische Analyse ist skaliert gut, erkennt aber nicht zuverlässig Laufzeitbedingungen (z. B. Feature Flags, Konfigurationsvarianten).
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- *Dynamische Analyse:* Beobachtung von Laufzeitverhalten durch Logging, Tracing oder instrumentierte Tests (z. B. welche Regeln bei bestimmten Eingaben greifen). Dynamische Analyse ist näher am realen Verhalten, benötigt aber reproduzierbare Szenarien und Testdaten.
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Reverse Requirements Engineering in einem Migrationsprojekt profitiert typischerweise von einer Kombination beider Stränge. Ohne dynamische Belege steigt das Risiko, dass nicht offensichtliche Bedingungen (z. B. kundenspezifische Schalter) übersehen werden; ohne statische Analyse bleibt die Abdeckung häufig zu gering.
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_Da eine Dynamische Analyse durch ein LLM mit den gegebenen technischen Möglichkeiten derzeit unpraktikabel ist, fokussiert sich diese Arbeit auf die statische Analyse von Artefakten, ergänzt manuell erstellte Artefakte zur Laufzeit (z.B. Screenshots)._
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#heading(level: 3)[Typische Methodenkette für Requirements-Rückgewinnung aus Code]
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Aus Sicht dieser Arbeit lässt sich Reverse Requirements Engineering in einer Legacy-Codebasis als wiederholbarer Ablauf strukturieren. Die konkrete Ausgestaltung hängt vom System und den verfügbaren Artefakten ab, die grundlegenden Schritte sind jedoch weitgehend stabil:
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