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#heading(level: 1)[Theoretische Grundlagen (ca. 12 Seiten)]
Dieses Kapitel beschreibt die theoretischen Grundlagen, die für die Konzeption und Bewertung eines KI-gestützten Reverse Requirements Engineering in Legacy-Umgebungen benötigt werden. Zunächst werden zentrale Begriffe des Requirements Engineering sowie die Idee der rückwärtsgerichteten Anforderungsgewinnung aus bestehenden Systemen eingeordnet. Anschließend werden Large Language Models als Werkzeugklasse im Software Engineering beschrieben, inklusive typischer Leistungsgrenzen und Absicherungsmechanismen. Abschließend werden Grundlagen der Legacy-Modernisierung sowie etablierte Migrationsstrategien zusammengefasst, um den Kontext der Fallstudie und die Zielrichtung einer webbasierten Modernisierung einzuordnen.
Dieses Kapitel beschreibt die theoretischen Grundlagen, die für die Konzeption und Bewertung eines KI-gestützten Reverse Requirements Engineering in Legacy-Umgebungen benötigt werden. Zunächst werden zentrale Themen des Requirements Engineerings sowie die Idee des reverse Requirements Engineerings auf Basis bestehender Systeme eingeordnet. Anschließend werden Large Language Models und deren Einsatz im Software Engineering beschrieben. Inklusive typischer Leistungsgrenzen und Absicherungsmechanismen. Abschließend werden Grundlagen der Legacy-Modernisierung sowie etablierte Migrationsstrategien zusammengefasst, um den Kontext der Fallstudie und die Zielrichtung einzuordnen.
#heading(level: 2)[Requirements Engineering und Reverse Requirements Engineering]
#heading(level: 3)[Begriff und Zielsetzung des Requirements Engineering]
Requirements Engineering (RE) umfasst die systematische Erhebung, Analyse, Spezifikation, Validierung und Verwaltung von Anforderungen an ein System über dessen Lebenszyklus. In Standards und Lehrwerken wird RE als eigenständiger Prozess verstanden, der sowohl fachliche Ziele (z. B. unterstützte Geschäftsprozesse) als auch technische und organisatorische Randbedingungen (z. B. Sicherheitsvorgaben, Betriebsmodelle) in überprüfbare Aussagen überführt @iso29148_2018 @ieee830_1998.
der Begriff Requirements Engineering (RE) umfasst die systematische Erhebung, Analyse, Spezifikation, Validierung und Verwaltung von Anforderungen an ein System über dessen Lebenszyklus. In Standards und Lehrwerken wird RE als eigenständiger Prozess verstanden, der sowohl fachliche Ziele (z. B. unterstützte Geschäftsprozesse) als auch technische und organisatorische Randbedingungen (z. B. Sicherheitsvorgaben, Betriebsmodelle) in überprüfbare Aussagen überführt @iso29148_2018 @ieee830_1998.
Im Kern adressiert RE zwei Spannungsfelder:
Im Kern adressiert das Requirments Engineering zwei Themen:
- **Kommunikation zwischen Domäne und Technik:** Anforderungen müssen fachlich verständlich und gleichzeitig so präzise sein, dass sie implementiert, getestet und geändert werden können.
- **Umgang mit Unsicherheit und Wandel:** Anforderungen sind zu Projektbeginn selten vollständig. RE ist daher nicht nur Dokumentation, sondern ein iterativer Klärungs- und Abstimmungsprozess.
- ***Kommunikation zwischen Domäne und Technik:*** Anforderungen müssen fachlich verständlich und gleichzeitig so präzise sein, dass sich daraus eine Software-Architektur ableiten lässt, die implementiert, getestet und geändert werden kann.
- ***Umgang mit Unsicherheit und Wandel:*** Anforderungen sind zu Projektbeginn selten vollständig. Requriements Engingeeing ist daher nicht nur Dokumentation, sondern auch ein iterativer Klärungs- und Abstimmungsprozess.
Ein etablierter Ansatz zur Strukturierung heterogener Sichtweisen ist das Viewpoint-Konzept, bei dem Anforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven modelliert und anschließend konsolidiert werden @kotonya1996viewpoints. Für die vorliegende Arbeit ist diese Perspektivenorientierung relevant, weil eine Codebasis typischerweise keine expliziten Stakeholder-Sichten enthält, diese aber für eine Migration wieder sichtbar gemacht werden müssen (z. B. Nutzerrollen, kundenspezifische Varianten, regulatorische Vorgaben).
Ein etablierter Ansatz zur Strukturierung heterogener Sichtweisen ist das Viewpoint-Konzept, bei dem Anforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven modelliert und anschließend konsolidiert werden @kotonya1996viewpoints.
Für die vorliegende Arbeit ist diese Perspektivenorientierung relevant, weil eine Codebasis typischerweise keine expliziten Stakeholder-Sichten enthält, diese aber für eine Migration wieder sichtbar gemacht werden müssen (z. B. Nutzerrollen, kundenspezifische Varianten, regulatorische Vorgaben).
#heading(level: 3)[Arten von Requirements und Qualitätskriterien]
In der Literatur wird häufig zwischen funktionalen Anforderungen (Was soll das System tun?) und Qualitäts- bzw. nicht-funktionalen Anforderungen (Welche Eigenschaften und Randbedingungen gelten?) unterschieden. Die Praxis zeigt jedoch, dass diese Trennung nicht immer trennscharf ist: Eigenschaften können sowohl als Systemverhalten (z. B. „Audit-Log erzeugen“) als auch als Qualitätsziel (z. B. „Nachvollziehbarkeit“) formuliert werden @glinz2007nfr. Für Reverse Requirements Engineering ist diese Unschärfe besonders relevant, weil Quellcode meist Verhalten konkretisiert, Qualitätsziele aber häufig implizit bleiben (z. B. Performance-Workarounds, Sicherheitsannahmen).
In der Literatur wird häufig zwischen funktionalen Anforderungen (Was soll das System tun?) und Qualitäts- bzw. nicht-funktionalen Anforderungen (Welche Eigenschaften und Randbedingungen gelten?) unterschieden. Die Praxis zeigt jedoch, dass diese Trennung nicht immer scharf ist: Eigenschaften können sowohl als Systemverhalten (z. B. „Audit-Log erzeugen“) als auch als Qualitätsziel (z. B. „Nachvollziehbarkeit“) formuliert werden @glinz2007nfr. Für das Reverse Requirements Engineering ist diese Unschärfe besonders relevant, weil Quellcode meist Verhalten konkretisiert, Qualitätsziele aber häufig implizit bleiben (z. B. Performance-Workarounds, Sicherheitsannahmen).
Für die Qualität einzelner Requirements sind in Standards und RE-Forschung wiederkehrende Kriterien etabliert. ISO/IEC/IEEE 29148:2018 nennt unter anderem Eindeutigkeit, Konsistenz, Vollständigkeit, Verifizierbarkeit und Nachvollziehbarkeit als zentrale Eigenschaften. IEEE 830-1998 formuliert ähnliche Prinzipien für Software Requirements Specifications, mit stärkerem Fokus auf Dokumentstruktur und Lesbarkeit @iso29148_2018 @ieee830_1998.